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FÜR MAINSTREAM-SPORTMUFFEL

Die Couch Potato Challenge: Verrückter Hochschulsport

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Ihr wollt 2018 fitter werden, habt aber kein Bock auf Gym oder Joggen? Kein Problem! Denn der Hamburger Hochschulsport bietet viele Kurse abseits des sportlichen Mainstreams. Wir haben für euch gecheckt, was hinter unbekannten Sportarten wie Headis oder KIN-Ball steckt!

Worauf habe ich mich da eigentlich eingelassen? Vor ein paar Tagen war ich noch neugierig darauf, Hochschulsportarten auszuprobieren, von denen ich noch nie gehört hatte: Headis, Hurling, Kin-Ball. Jetzt, an einem Samstagmorgen, ist da nur noch ein innerer Schweinehund in Doggengröße. Doch ich brauche dringend Bewegung. Und 2018 will ich endlich mehr Sport machen! Also Turnschuhe rausgekramt, Motivation angeschaltet und auf zum ersten Kurs.

Mit Helm und  Hagelkörnern
Das Hurling-Training findet draußen statt. Outdoor. Im Winter. 3 Grad Celsius. Ich google noch schnell, was Hurling eigentlich ist: eine traditionelle irische Sportart, die an Hockey erinnert. Mit dem Schläger (Hurley) muss der kleine Ball namens Sliotar (Schlitter) ins Tor geschlagen werden. In Irland hat jedes kleine Dorf eine Hurlingmannschaft.

Schüchtern betrete ich den Platz am Turmweg und werde gleich von Trainerin Sal, Hamburgerin mit irischen Wurzeln, begrüßt. Sie sucht mir einen Helm raus. Helm? Moment mal, wie gefährlich wird das jetzt hier? Schon die ersten Übungen bringen mich an meine Grenzen. Sal leitet das Aufwärmtraining auf Englisch.

Das Team ist sehr international – viele Iren, aber auch Leute aus Pakistan, Ecuador und anderen Ländern gehören dazu. Co-Trainer Owen erklärt mir wieder und wieder die Schlagtechniken, bis es anfängt, richtig Spaß zu machen. Anschließend beginnt das Übungsspiel: Wir dürfen den Sliotar in die Hand nehmen und damit bis zu fünf Schritte rennen, was zu überraschenden Aktionen führt.

Irgendwann verdunkelt sich der Himmel, weiße Hagelkörner sammeln sich auf dem Kunstrasen. „Und bei wie viel Regen brechen wir ab?“ Sal zuckt mit den Achseln. „Irisches Wetter halt.“ Das Spiel ist erst vorbei, als keiner mehr rennen kann. Mit wackligen Beinen, aber glücklich und ausgepowert mache ich mich auf den Heimweg. 

Hurling, unsere Autorin Sabrina ausgestattet mit Helm und Hurley beim Training (re.)
Wann und Wo?  Samstags, 14.30-17 h, Kunstrasenplatz am Turmweg (Rotherbaum)
Für wen?  Winterfeste Hockey-Liebhaber, die sich beim Sport gern dreckig machen, Whiskey-Trinker

Auf der Platte 
Auch Headis steht auf meinem Sportplan. Die Regeln sind in etwa die gleichen wie beim Tischtennis, nur, dass der Ball größer und leichter ist und mit dem Kopf gespielt wird. Und man darf die Platte berühren, was dazu führt, dass die erfahrenen Spieler sich auf die Platte werfen.

Es ist schwer, dabei gut auszusehen, aber einfach, direkt ins Spiel einzusteigen. Nach ein paar Testköpfern habe ich den Bogen raus und liefere mir gleich einen Ballwechsel mit Trainer Simon, 26-jähriger Medizinstudent. Eurodance tönt aus den Boxen und das Tempo zieht an. Von allen Sportarten, die ich ausprobiere, ist Headis am besten für Einsteiger geeignet.

Es gibt schnelle Erfolgserlebnisse, ohne lange Technikübungen oder Regelsessions. Und zu jeder (Rand-)Sportart gehört natürlich auch ein Gründungsmythos. Der von Headis geht so: Treffen sich ein paar Studenten in einem Freibad in Kaiserslautern und wollen Fußball spielen. Doch das Feld ist besetzt.

Also improvisieren sie ein neues Spiel – Kopfball-Tischtennis. Das war 2006. Heute arbeiten fünf Personen um den damals beteiligten Sportstudenten René Wegner in Vollzeit für Headis, wie mir Simon erzählt. „Die Turniere sind immer witzig und die Community ist nett zueinander“, sagt Marco, ebenfalls Headis-Trainer. Die meisten Headisspieler haben dazu noch Turniernamen mit kreativen Wortwitzen wie Mladen Headric, Red Hot Chili Header, Headsinfakt… Mir fällt auf: Beim Headis-Kurs haben alle ziemlich viel Lust auf das, was sie da tun. Und das steckt an! 

Headis
Wann und Wo?  Montags, 21.30-22.30 h + mittwochs, 21.1522.30 h, kleine Unisporthalle am Turmweg (Rotherbaum)
Für wen?  Tischtennisspieler, die nach Abwechslung suchen, verkopfte (Ex-)Fußballer 

Gemeinsam unterm  Riesenball
Das erste was ich sehe, ist der 1,2 Meter große Ball, der gemächlich durch die Turnhalle hüpft. Ein kanadischer Sportlehrer hat KIN-Ball 1996 erfunden, um die negativen Begleiteffekte von Mannschaftssport zu umgehen: Leistungsschwächere Spieler, die selten am Ball sind, Frustration und Ausschluss. Beim KIN-Ball dreht sich alles um Zusammenarbeit. Es gibt bis zu drei Mannschaften, die versuchen, den Ball in der Höhe zu halten.

Und alle Spieler der Mannschaft müssen diesen berühren, wenn jemand eine Angabe macht. Geschlagen wird reihum, sodass jeder Spieler gleich häufig am Ball ist. Klingt kompliziert, erschließt sich aber schnell, wenn man mitmacht. Als neuer Spieler kann man schnell einsteigen und muss vorher nur ein, zwei Schlagtechniken erlernen.

Die Regeln sind direkt verständlich. „Es kommt nicht so sehr auf Kraft an“, erklärt mir Timo. Der KIN-Ball Trainer interessiert sich besonders für Trendsportarten: Er hat KIN-Ball auf einer Messe kennen gelernt und nach Hamburg gebracht. Damit ist er einer der ersten in Deutschland. Beim Hochschulsport gibt es KIN-Ball erst seit einem Semester, doch der Kurs ist immer gut besucht. Kann ich gut verstehen: Der überdimensionierte Ball fasziniert auf seine eigene Art – das Spiel bringt mich an meine konditionellen und koordinatorischen Grenzen. Top-Mischung! 


KIN-Ball
Wann und Wo?  Dienstags 21-22.30 h, große Unisporthalle am Turmweg (Rotherbaum)
Für wen?  Friedliebende Hippies mit Volleyball-Background, Trendsetter

Weitere verrückte Hochschul-Sportarten zum Ausprobieren:


» Drachenfliegen
» Quidditch
» Cross- und Speedminton
» Flaggenfootball
» Streetball 


Infos unter: hsp-hh.sport.uni-hamburg.de

Autor: Sabrina Pohlmann
Fotos: Schulz (6)

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