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News aus Hamburg
NO MORE STRESS

Lieber Stress, du kannst mich mal!

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Immer mehr Studenten fühlen sich von ihrem Unialltag ganz schön unter Druck gesetzt und gestresst. Hilfe gibt es aus dem Internet – dort tummeln sich zahlreiche Ratgeber und Kurse, die mehr Gelassenheit versprechen. Ob so ein Programm wirklich dabei hilft, Stress zu reduzieren und entspannter zu werden, hat unsere Autorin Kristina Regentrop im Selbstversuch herausgefunden.

Für die Prüfungen büffeln, nebenbei noch jobben, zum Sport gehen und on top sein Sozialleben voll im Griff haben – wer sagt, dass das Studentenleben reines Zuckerschlecken ist, liegt falsch. Bei meiner Recherche zum Thema Stress bei Studenten finde ich heraus, dass das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), die Freie Universität Berlin und die Techniker Krankenkasse in einer gemeinsamen Studie zur „Gesundheit Studierender in Deutschland 2017“ zum Ergebnis kamen, dass jeder vierte Student unter starkem Stress steht, erschöpft ist und bei vielen sogar erste Anzeichen eines Burnouts auftreten.

Zu ähnlichen Erkenntnissen ist auch die Befragung des privaten Studienfonds-Anbieters Deutsche Bildung aus dem letzten Jahr gekommen. Vor allem Studentinnen sind betroffen. Demnach leiden laut Studie sogar 43 Prozent unter häufigem oder ständigem Stress, bei Männern sind es rund 33 Prozent.

Aber warum sind so viele Studis gestresst? Sind wir nicht eigentlich entspannt drauf? Ein, zwei Semester im Studium dranzuhängen, ist schließlich keine Schande. Und pflegen wir nicht penibel unsere Work-Life-Balance? Das Problem liegt darin, dass wir uns selbst einen zu hohen Druck machen. Ich kenne das auch und es zeigt sich bereits vor dem Studium. Was wollen wir studieren und wo? Und was ist, wenn wir uns für den falschen Studiengang entscheiden?

„Außerdem werden die Studierenden immer jünger, fangen mit 17 oder 18 Jahren an. Das Abnabeln von Zuhause, die eigene Selbstständigkeit und beispielsweise das Führen eines eigenen Haushaltes sowie der Druck im Studium verursachen Stress“, erklärt mir Stefanie Kieback, Psychologin und Studienberaterin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). „Die Studiengänge sind straff getaktet, hinzu kommen Doppelbelastungen durch den Nebenjob.“ Neben dem äußeren Druck steht uns häufig der eigene Perfektionsanspruch im Wege. Das Gefühl „nicht zu genügen“ macht sich breit.

„Es ist wichtig, sich zu fragen, was uns Energie gibt.“ Stefanie Kieback, Psychologin und Studienberaterin.

Betroffen sein kann jeder – sowohl die Maschinenbaustudentin, als auch der Designstudent. „Wir nehmen wahr, dass sich insgesamt mehr Studierende Unterstützung suchen“, berichtet Stefanie Kieback. Das liegt auch daran, dass Themen wie Stress mittlerweile enttabuisiert sind. Seinen Alltag gelassener meistern und in stressigen Situationen cooler reagieren – das sind Versprechungen der Antistressprogramme, von denen es im Internet nur so wimmelt.
 

  • Kristina wagt den Selbsttest

Die Frage ist nur, ob diese Programme auch wirklich etwas taugen? Ich wage den Selbstversuch und suche mir ein vierwöchiges Online-Antistressprogramm einer Krankenversicherung aus, das vom Psychologen und Stressexperten Dr. Manfred Oetting aus Itzehoe entwickelt wurde. Er hat bereits Führungskräfte großer Unternehmen wie BMW oder Siemens gecoacht. Von Woche zu Woche werde ich verschiedene Bereiche durchlaufen, in denen ich mehr über Stress, meine Belastungen und Stressbewältigung lernen werde.
 

  • 1. Woche Stress entsteht im Kopf

Voll motiviert starte ich in die erste Woche. Doch bevor es an die praktischen Übungen geht, erfahre ich, was Stress genau ist und wie er entsteht. Stress wird nicht durch eine Situation, sondern durch unsere persönliche Bewertung einer Situation hervorgerufen. Wir selbst haben es also in der Hand, ob wir angespannt reagieren oder nicht. „Stress äußert sich durch Druck sowie äußere und innere Anspannung. Per se ist Stress gar nicht mal so schlimm. Kurze Phasen davon sind normal und schaden nicht“, erklärt Stefanie Kieback. Kritisch wird es, wenn ein Dauerzustand daraus wird, subjektiv kein Gefühl der Entspannung aufkommt und positive Dinge, die einem sonst Freude bereiten als Anstrengung gesehen werden.

„Ob ich nach vier Wochen Stressprogramm entspannter bin?“ UNISCENE-Autorin Kristina Regentrop macht den Selbsttest.

„Auf Dauer sinkt die Leistungsfähigkeit, man schafft weniger, gönnt sich kaum Pausen und der Tag wird noch anstrengender. Das kann unter anderem zu Schlaf- oder Konzentrationsstörungen führen.“ Dabei ist Stress stark an unsere eigenen Erwartungen gebunden. Gestresste Studierende sollten sich daher fragen, ob alle Klausuren im Semester geschrieben werden müssen oder ob man unbedingt in der Regelstudienzeit fertig sein muss. „Hilfreich ist es, sich realistische und überschaubare Ziele zu stecken und sich einen Lernplan zu schreiben.“

Zum Abschluss meiner erste Einheit fülle ich einen Fragenbogen aus, der Aufschluss über meine Verhaltens- und Denkweise geben soll, damit das weitere Kursprogramm individuell auf mich zugeschnitten werden kann. Beispielsweise muss ich einschätzen, ob ich leicht abschalten kann oder ob ich mich einsam fühle, wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin.
 

  • 2. Woche: Den eigenen Stress verstehen

Es ist Montagmorgen, heute erfahre ich die Ergebnisse meines Stresstests. Insgesamt gibt es neun Verhaltenspräferenzen, wie den Typ „Perfektion“, der gewissenhaft, zuverlässig und fehlerlos ist. Der Typ „Harmonie“ ist eher gutmütig, kompromissbereit und ausgleichend. Laut Testergebnis bin ich der leistungsorientierte Typ, der engagiert ist und dem Erfolg und Anerkennung wichtig sind. Ich dachte bei mir eher an Typen wie „Loyalität“ oder „Ästhetik“, die zuverlässig oder kreativ sowie empfindsam sind. Ich erfahre, dass man auch Verhaltensmerkmale anderer Typen in sich trägt und bin ein wenig erleichtert.

Laut dem Onlineprogramm sind meine potentiellen Stressquellen eine dauerhafte Überlastung, mangelnde Ruhepausen und der fehlende soziale Rückhalt – auch das trifft gefühlt null auf mich zu. Naja. Danach ist es an der Zeit für die erste praktische Übung: Mithilfe eines Fragenkatalogs soll ich rausfinden, wie ich mir Anerkennung durch andere sichere. Wann habe ich private Angelegenheiten vernachlässigt oder Personen nach ihrem Einfluss, Geld oder Beziehungen unterteilt? Puh, gar nicht so leicht – aber die eigene Denkweise zu reflektieren, ist spannend.
 

  • 3. Woche: Zeit für Freunde und für mich

Es geht ans Eingemachte! Da Stress im Kopf entsteht, geht es in dieser Woche darum, mein Verhaltensmuster positiv zu nutzen. Meine To-Dos für diese Woche lauten: In Freundschaften investieren und Aktivitäten suchen, die nur für mich bestimmt sind und meine Kraftreserven auftanken. „Es ist wichtig, sich einen Ausgleich zu schaffen und sich zu fragen, was uns Energie gibt. Sport ist ein natürliches Antidepressivum, das die Anspannung abbauen kann – ebenso gezielte Entspannungsübungen wie Yoga oder Muskelentspannungen“, so Stefanie Kieback.

Die Expertin erklärt mir auch, dass es ratsam ist, sich nicht allzu sehr den Kopf über Vergangenes oder Zukünftiges zu zerbrechen: „Achtsam zu leben heißt, in jedem Moment eine Entscheidung treffen zu können, nicht automatisch zu reagieren und den Augenblick wahrzunehmen.“

Beflügelt von diesen Worten lege ich direkt los und frage zwei Freundinnen, ob wir uns zu einem Lunch-Date treffen wollen. Außerdem entschließe ich mich, mit meiner Schwester am Wochenende an die Ostsee zu fahren. Der Strandtag fühlt sich tatsächlich wie Urlaub an. Quality Time mit Freunden und Familie: Check! Kraft tanke ich auch beim Backen meines ersten Bananenbrots, bei einer Joggingrunde und beim Pilates. Ich komme runter, blende meinen Alltag aus und bin tiefenentspannt.

Bei meiner Joggingrunde tanke ich neue Energie!

  • 4. Woche: Schritt für Schritt entspannter

Ich merke, dass mir die letzte Woche gutgetan hat. Vielleicht, weil dieses Bewusstsein da war, mich aktiv um mich selbst zu kümmern. In der vierten und letzten Woche steht das „Goal-Attainment“ auf der Agenda, bei dem ich Schritt für Schritt Probleme angehe, die mich stressen. Und so geht’s: Ich muss ein Ziel bestimmen, daraufhin förderliche Maßnahmen, unterstützende Gedanken sowie mein Handeln festlegen und meine positiven Konsequenzen für mich selbst ziehen. Anfangs tue ich mich bei dieser Übung schwer und finde es kniffelig, meine Stressoren genau zu benennen.

Aber ich erkenne, dass ich so eine gewisse Distanz zu meinem Problem aufbauen kann und meine Sorgen gleich als weniger stressig empfinde. Doch ich merke, dass es dauert und viel Übung bedarf, bis man dieses Gedankenmuster verankert hat.

Mein Fazit? Auch wenn ich anfangs nicht ganz überzeugt war und der ermittelte Verhaltenstyp gefühlt null zu mir passte, habe ich durch das Programm Denkanstöße und Methoden mitgenommen. Ich finde es schon hilfreich, in hektischen Situationen kurz innezuhalten und mich daran zu erinnern, dass nicht dieser Zustand, sondern ich selbst den Stress auslöse. Klar dass noch keine gravierenden Änderungen nach vier Wochen aufgetreten sind, aber ich bleibe am Ball. Deshalb will ich weiterhin das „Goal-Attainment“ einüben und mich mal ans Meditieren heranwagen.
 

  • Kleine Helfer gegen Stress

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Text: Kristina Regentrop
Fotos: Unsplash (1), Regentrop (1), Zentrale Studienberatung (1), Ein Guter Plan (1)

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