uniscene

News aus Hamburg
ZUKÜNFTIGES SILICON VALLEY?

Wie viel digitales Potential steckt in Hamburg?

Digitales_Potential_2.jpg

Machen junge Startups, kreative Studenten oder innovative Projekte unsere Stadt zu „Deutschlands Silicon Valley"? Wir haben die digitalen Möglichkeiten der Stadt ganz genau gecheckt.

Alles andere als vielversprechende Aussichten liefert uns der „Europe’s Digital Progress Report 2017“ der EU-Kommission. Dieser gibt Auskunft über den Stand der Digitalisierung in Europa. Deutschland belegt unter den 28 Mitgliedsstaaten den 11. Platz. Federführend sind Länder wie Dänemark, Finnland und Schweden. Weltweite Vorreiter in Sachen Digitalisierung sind USA und China. Denn was haben zum Beispiel Google, Facebook, Apple oder Amazon gemeinsam? Richtig, sie sind alle „made in USA“, die Exportschlager aus dem kalifornischen Silicon Valley und haben innerhalb kürzester Zeit unsere digitale Welt revolutioniert. Jetzt drehen die chinesischen Unternehmen sogar den Spieß um und machen den US-Giganten Konkurrenz. So hat Huawei jüngst sogar Apple bei den weltweiten Smartphone- Verkäufen überholt. Und Alibaba, ein chinesischer Amazon-Klon, startet jetzt auch bei uns in Europa. Bereits mehr als 500 Millionen asiatische Konsumenten nutzen die App, mit der sie bargeldlos bestellen und bezahlen können. 

 

  • Wir scheitern bereits beim schnellen Internet

Wir Deutschen können da nicht mitreden. Noch nicht. Wir müssen uns erstmal um den Ausbau von Glasfaseranschlüssen kümmern. „Die Regierung spricht seit Jahren davon, hat aber leider wenig umgesetzt“, sagt Martin Mahn, CEO von Tutech Innovation, einem städtischen Tochterunternehmen der Technischen Universität Hamburg, das als Bindemitglied zwischen Hochschulen und Industrie fungiert. „Der Staat hätte die Telekommunikation nicht privatisieren sollen, die Telekom baut nur dort aus, wo es für sie lukrativ ist.“





Martin Mahn, CEO von Tutech Innovation




 

 

Es ist nun einmal so, dass Themen wie Europa-, Flüchtlings- oder Umweltpolitik für unsere Bundesregierung höhere Priorität haben – vollkommen legitim und verständlich. Aber ist es nicht fast schon traurig, dass als Kernaspekt der „Digitalen Agenda 2014-2017“ der Ausbau des schnellen Internets aufgeführt wurde? Und was ist mit 3D-Druck, E-Mobilität oder Künstlicher Intelligenz? Ganz anders sieht das zum Beispiel bei unseren niederländischen Nachbarn aus „Die Digitalisierung ist fast selbstverständlich im Alltag der Menschen in Holland angekommen. Universitäten und Schulen sind konsequent mit digitalen Techniken und Medien ausgestattet“, sagt Prof. Hendrik Brinksma, der selbst Holländer und seit Anfang des Jahres neuer TU-Präsident ist. Seine Ziele sind unter anderem mehr Ingenieure auszubilden und weitere lokale und internationale Vernetzungen zu schaffen.
 





Prof. Hendrik Brinksma, neuer TU-Präsident






 

  • Hamburgs Silicon Valley

Genug gemeckert. Wir wollen zeigen, welches digitale Potenzial in unserer Stadt schlummert! „In Hamburg entwickelt sich gerade ein Standort, der alle Zutaten dafür hat. Wissenschaft, Smart Mobility, der Hafen als Testfeld und ein sehr guter Wissens- und Technologietransfer“, lautet die Einschätzung des Tutech-Chefs Martin Mahn. Eine dieser Entwicklungen ist im Stadtteil Hammerbrook zu beobachten – der Hammer- brooklyn.Digital- Campus. Hierbei handelt es sich um ein Zukunftslabor, in dem Forschung und Entwicklung von Unternehmen, Behörden und Startups zusammentreffen. Gemeinsam sollen urbane Innovationen vorangebracht und konkret umgesetzt werden. Neben den Themenschwerpunkten wie Smart City und Smart Mobility, werden auch Virtual und Augmented Reality, 3-D-Druck sowie die Blockchain-Technologie weitergedacht. Aber auch Coachings und Mentorings oder das Entwickeln von Geschäftsmodellen stehen auf der Agenda. Das 150 Millionen schwere Projekt wird von der Immobilienagentur Art-Invest Real Estate, einer der größten und innovativsten deutschen Projektentwickler, gestemmt. Momenta wird noch fleißig gebaut, die Eröffnung des Digital Pavillons ist für das zweite Halbjahr 2019 geplant, der gesamte Campus soll bis 2027 fertiggestellt werden. Unternehmen wie die Hochbahn, Volkswagen oder die Deutsche Bahn investieren ebenfalls in das Projekt und haben sich bereits ihren Platz im „Hamburger Silicon Valley" gesichert. Wissenschaftlicher Partner ist das Hamburgische Weltwirtschafts-institut (HWWI).

Weiter südlich entsteht seit dem Sommer im Harburger Binnenhafen der Hamburg Innovation Port der HC Hagemann Gruppe. Somit geht Hamburg einen weiteren Schritt in Richtung Wissenschaftsund Technologiestandort. Auf dem rund 20.000 qm großen Gebiet an der Blohmstraße wird in mehreren Bauabschnitten ein Innovationspark hochgezogen, der Wirtschaft mit Wissenschaft verknüpfen und als eine Plattform für die Gründer- und Startup-Szene dienen soll. Zudem bietet er Büros, Labore sowie Coworking-Spaces für Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Ankermieter wird die TUHH – aber auch weitere Forschungseinrichtungen, Existenzgründer, Wissenschaftler sowie Unternehmen werden einziehen. Und: Der Hamburger Senat plant weitere Innovations-parks, wie den International Science Park in Altona, den Innovationspark Bergedorf oder den Innovationspark für Luftfahrt in Finkenwerder.

 

  • Studis arbeiten mit Künstlicher Intelligenz

Aber auch studentische Projekte in Hamburg stecken voller Innovationskraft – beispielsweise die „Hamburg Ultra Legendary Kickers“, kurz Hulks genannt. Die Informatik- und Ingenieurstudenten der Technischen Uni setzen sich mit Künstlicher Intelligenz auseinander und das ziemlich erfolgreich. Beim diesjährigen RoboterCup, den Weltmeisterschaften im Roboterfußball, haben die Studis das Treppchen nur knapp verpasst. „Wir haben den vierten Platz belegt, was uns aber trotzdem sehr gefreut hat“, erzählt Maximilian Schmidt, der Informatik-Ingenieurwesen an der TU studiert und Teil des Entwickler-Teams ist. Der jährlich stattfindende RoboCup lockt weltweit mehr als 2000 Studenten und Wissenschaftler an, die in verschiedenen Ligen gegeneinander antreten und „Fußball spielen". Laufen oder den Ball mit dem Fuß kicken – was für uns wie einfache Bewegungsabläufe scheint, bedeutet zeitaufwändige Programmierarbeit in Sachen künstlicher Intelligenz, generische Algorithmen und Parameter. Ok, uns Laien schwirrt jetzt bereits der Kopf. 

Die Studis aber sind mit vollem Herzblut dabei und stecken den Großteil ihrer Freizeit in das Projekt. Die Roboter werden aus Japan eingekauft, sind circa einen halben Meter groß sowie 4 Kilogramm schwer und kosten satte 5000 Euro. Finanzielle Unterstützung gibt es von Sponsoren und der Uni. „Wir programmieren die Software der Roboter stetig und entwickeln sie jährlich für den RoboCup weiter. Denn jedes Jahr gibt es ein neues Regelwerk, das wir beim Fußballspielen mit unseren Robotern beachten müssen. Dieses Mal mussten unsere Roboter Freistöße ausführen“, erklärt Maximilian Schmidt. Das Turnier verfolgt das Ziel, den internationalen Wissensaustausch zur Künstlichen Intelligenz sowie humanoider Robotik zu fördern und sich international auszutauschen.






Hulks der TUHH






 

  • Startups als Pushfaktor

Klar sind auch Startups DIE Hoffnungsträger in Sachen Digitalisierung. Beispiele wie Xing oder mytaxi zeigen, dass „made in Hamburg" Erfolg verspricht. Da wundert es uns auch nicht, dass wir laut Handelskammer Hamburg Berlin als Startup-Metropole überholt haben. „Liegt wohl daran, dass Hamburg mit seinen Schwerpunkten Logistik, Food, Medien, Life Scienes, Martimes und Luftfahrt deutliches Potenzial hat", weiß CDU-Politiker Carsten Ovens, der ebenfalls an der Uni Hamburg als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet. Seine Schwerpunktthemen sind unter anderem Wissenschaft, Wirtschaft sowie internationale Beziehungen. „Dazu gibt es gute private sowie auch ein paar staatliche Förderprogramme. Es fehlt jedoch teilweise an Venture Capital, an einer Vernetzung der Szene mit der etablierten Wirtschaft sowie an einer internationalen Vermarktung des Standorts“, so Ovens. Eine neue digitale Plattform, Gründerstipendien, ein städtischer Venture Capital Fonds, der größere Summen in Startups investiert sowie Unis und Hochschulen, die die Gründerszene unterstützen, würden die Digitalisierung voranbringen. „Hamburg hat die Chance, Heimathafen für digitale Innovationen zu werden. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten", sagt Ovens.




Carsten Ovens, CDU-Politiker 



 


Wir haben übrigens auch mit „Höhle der Löwen“-Star und Digitalexperte Frank Thelen gesprochen.

Text: Kristina Regentrop
Fotos: MVRDV (1), Hammerbrooklyn (1), Tutech (1), Häberle (1), Koch (1), RobotING@TUHHe.V. (1)

Nach
oben
×
×
Bitte richten Sie ihr Tablet im Querformat aus.